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Flüchtlinge in Neuenkirchen mit Suppe und Tee empfangen

NOZ 08.04.16: Deutschkurse hoch im Kurs - Vor einigen Tagen ist eine neue Flüchtlingsfamilie aus Syrien angekommen, die von der ehrenamtlichen Willkommensgruppe in Neuenkirchen

Syrische Flüchtlingsfamilien in der Neuenkirchener Jugendfreizeit- und Bildungsstätte mit Heimleiter Ulrich Vogler, Katja Schulte (DRK), Übersetzerin Yasemin Cöp und Ortsbürgermeister Volker Theo Eggeling (Zweite Reihe von rechts). Fotos: Marita Kammeier

und den Bewohnern der Sammelunterkunft mit Suppe und Tee empfangen wurde.

Nach langer Reise mit traumatischen Erlebnissen landeten sie zunächst im Erstaufnahmelager in Diepholz, fuhren dann mit dem Zug zum Meller Bahnhof und von dort weiter mit dem Linienbus zur Jugendfreizeit- und Bildungsstätte in Neuenkirchen. Nach der Begrüßung und Führung durch das Haus erklärte Diakonie-Heimleiter Ulrich Vogler ihnen die Regeln und begleitete sie anschließend zur Registrierung in das Bürgerbüro.

Interner Hauausweis

„Jeder Flüchtling erhält außerdem einen internen Hausausweis mit Namen, Adresse und Personaldaten“, erläuterte der Sozialpädagoge. Das sei oft hilfreich gewesen, zum Beispiel bei Arztbesuchen oder wenn sich jemand verlaufen habe.

Neun syrische Familien mit 16 Kindern sind vor dem Krieg aus Aleppo sowie den Kurden- und Grenzgebieten zum Irak geflohen. Seit Ende Februar leben sie in der von der Diakonie und dem DRK als Betreibergesellschaft geleiteten Unterkunft.

Die direkte Nachbarschaft zur Grundschule sorgte Anfang des Jahres noch für großen Widerstand bei einigen Eltern. Das hat sich jedoch inzwischen entspannt. Heute lernen Riham, Beilasan, Mohamed und die anderen Kinder gemeinsam mit ihren deutschen Mitschülern und spielen nachmittags begeistert auf dem Schulhof.

 

Renovierung bald fertig

„Zehn weitere Flüchtlinge werden in der nächsten Woche erwartet“, berichtete Ulrich Vogler. Zwei Familien, darunter Fahima Hasan und ihr Sohn Mohi, sind bereits aus der Sammelunterkunft ausgezogen und wohnen jetzt in städtischen Immobilien.

Auch die Familie Hassan freut sich schon auf die eigene Wohnung, denn die Renovierung soll in einigen Tagen fertig sein. „Seitdem wir in Deutschland sind, atmen wir auf. Unsere Ängste sind fort, denn es gibt wieder eine Chance“, betonten Fareed und Gehan. Das Ehepaar floh Ende 2014 mit drei Kindern zu Fuß aus Syrien und lebte ein Jahr in einem türkischen Lager. „Den einjährigen Mohamed auf den Schultern und den siebenjährigen Mohi-Aldeen an der Hand, das vergesse ich nie“, schilderte der Vater den anstrengenden Marsch auf der Balkan-Route.

Die 24-jährige Barwin Nabo hatte in Aleppo ein Friseurgeschäft. Jetzt freut sie sich ebenso wie die anderen Syrer auf den Deutschunterricht, der vor einigen Tagen unter der Leitung von Lehrerin Barbara Nixdorf begonnen hat. Ihr Mann ist Handwerker im Sanitärbereich und möchte schnell wieder arbeiten. Der 18-jährige Cuma ist Schneider und wartet ebenso wie der gleichaltrige Muhittin auf die Möglichkeit zum Schulbesuch.

Familie hält alles sauber

Jede Familie kauft selbst ein, kocht das Essen in der Gemeinschaftsküche und hält alles sauber. „Soll ich das Badezimmer putzen?“, fragte Baschar eines Tages.

„Hier wird ein guter Grundstein gelegt für eine sinnvolle Integration“, meinte Ortsbürgermeister Volker Theo Eggeling, der auf die gemeinnützigen Ein-Euro-Jobs im Altenzentrum, in der Christophorus-Kirchengemeinde und zur Unterstützung der Gemeindearbeiter hinwies. In einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig: Ohne die große Zahl an Ehrenamtlichen würde es nicht so reibungslos laufen.
Ein Bericht von Marita Kammeier

12. April 2016 11:58 Uhr. Alter: 3 Jahre